| 28.08.2026, 07:41 Uhr | | Übersicht | Druckansicht |
| 200 Hitzetote in Berlin – die Hälfte hochbetagt. Warum interessiert sich niemand? von Martin Burth zur Person.Nach den Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) gab es in Berlin bis Ende Juli fast 200 Hitzetote, von denen etwa die Hälfte also rund 100 in der zweiten Junihälfte zu Tode kamen. Bundesweit werden nach heutigem Stand (26.08.26) lt. RKI fast 16.000 Menschen an Hitze verstorben sein. Von den Hitzetoten waren ca. 50% „hochbetagt“ (älter als 85) und nur 15% jünger als 65. Dazu kommt eine nicht näher dokumentierte Zahl von Menschen, die zwar überlebt haben, aber bleibende gesundheitliche Schäden davontragen. Das Alles scheint aber in der Politik und Gesellschaft kaum jemanden zu interessieren. Bei anderen Gelegenheiten mit deutlich weniger Todesfällen– zum Beispiel beim Berliner Stromausfall im Januar – wurde eine Großschadenslage ausgerufen, um alle verfügbaren Mittel und auch externe Hilfe (THW und Bundeswehr) zum Schutz der Bevölkerung zu aktivieren. 200 Hitzetote in Berlin scheinen niemand zu interessieren. Wo sind die Politiker:innen die ultimativ auf Gegenmaßnahmen drängen und sie umsetzen, die Presse, die stetig nachfragt und die gesellschaftlichen Organisationen, wie z.B. eine Seniorenvertretung bei diesem Thema? Immerhin gibt es seit 2025 einen Hitzeaktionsplan des Senats, aber da werden überwiegend Gremienarbeit, Schulungs- und Beratungsangebote adressiert. Hilfsorganisationen sollen immerhin 600.000 Euro für Hitzeschutzprävention erhalten – im Jahr und für 4 Mio. Einwohner dieser Stadt! Dabei wäre es leicht, von Aktivitäten in unseren Nachbarländern zu lernen. Zum Beispiel den „Coolen Straßen“ in Wien, aufsuchender Hitzehilfe in Frankreich oder der semimobilen Aufstellung von Wasserbecken und Wasser-Sprühnebelanlagen, die bei Sommerhitze in den meisten auch deutschen Städten an vielen Stellen installiert werden. Berlin ist da Fehlanzeige! Mit etwas Geld und gutem Willen sind auch Krankenhäuser, Bibliotheken, Alten- und Pflegeheime zumindest temporär bei Hitze mit semimobilen Klimageräten auszustatten, um dort zumindest einzelne gekühlte Räume anzubieten. Statt dessen bietet Berlin vor allem Beratung zu angepasstem Verhalten bei Hitze auf diversen Internetplattformen an und zeigt „kühle Orte“ auf interaktiven Karten an. Unser Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hat sein Angebot an „kühlen Orten“ leider erst nach der Junihitze von ehemals zwei auf immerhin fünf Adressen ausgebaut. Aber ob dieses Angebot für 325.000 Einwohner ausreicht, darf bezweifelt werden. Die kühlen Orte aus unserem Bezirk haben es übrigens bis heute noch nicht alle auf die offizielle „kühle Orte“-Karte des Senats geschafft. Es bleibt deshalb noch viel zu tun, um die nötige Sensibilität und die erforderlichen Mittel für einen aktiven Hitzeschutz insbesondere für ältere Menschen in Berlin zu erreichen. Das Thema geht nicht weg. |
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